Was ist Stottern, woher kommt es & wie wird es therapiert?

Das Stottern, (auch Balbuties, von lateinisch balbutire). Rund 800.000 Menschen in Deutschland sind davon betroffen. Stottern kommt vor allem bei Männern deutlich häufiger vor als bei Frauen, rund 5 mal so viele leiden unter der Redeflussstörung, bei der einzelne Laute, Silben oder Wörter mehrfach wiederholt werden.

Die Sprechbehinderung ist vor allem situationsabhängig und für die Betroffenen sehr unangenehm. Balbuties wird das Stottern auch genannt und tritt meist in der Kindheit auf. In vielen Fällen verliert sich das Stottern dann, kommt allerdings häufig im Erwachsenenalter wieder. Stottern ist immer ein individuelles Phänomen, bei dem auch nichtsprachliche Erscheinungen auftreten.

Etwa in Form von Mitbewegungen der Gesichts- oder Kopfmuskulatur, Schwitzen, Blinzeln und Zittern der Lippen. Seelische Belastungen sind häufig als Folge der Störung zu beobachten.

Was ist die Ursache des Stotterns?

Wie alles im Körper, wird auch das Sprechen vom Gehirn aus gesteuert. In Sekundenschnelle müssen alle zusammenspielenden Vorgänge koordiniert werden. Bei Betroffenen ist diese Koordination an irgendeiner Stelle gestört. Eine eindeutige Ursache konnte dafür bis heute trotz intensiver medizinischer Forschungen aber nicht gefunden werden.

Es wird vermutet, dass entweder eine motorische Störung der am Sprechen beteiligten Organe als Ursache vorliegt oder eine Unterbrechung der Nervensignale das Stottern auslöst. Eine genetische Veranlagung kann als sehr wahrscheinlich angenommen werden. Allerdings wird nur die Veranlagung an sich weitervererbt, nicht das Stottern an sich.
Auch psychische Ursachen können Stottern auslösen.

Dazu gehört eine postraumatische Belastung oder ein schlimmes Lebensereignis, bei dem Ängste und Nervosität meist parallel dazu auftreten. Grundsätzlich aber geht die Medizin davon aus, dass es eine rein motorische Störung ist, die unabhängig von Herkunft oder sozialem Statuts auftritt.

In welchem Alter beginnt Stottern und wie viele Menschen sind betroffen?

Im Kindesalter tritt Stottern häufig auf und in der Phase der Sprachentwicklung zwischen drei und fünf Jahren fällt es manchen schwer, mit den anderen Kindern im Bereich der Sprache mitzuhalten. Meistens legt sich dieses Phänomen von selbst wieder.

Rund 25% der Kinder allerdings entwickeln daraus das „echte“ Stottern. Sprechen wird mit etwas Negativem assoziiert, etwa weil andere Kinder es hänseln oder weil es Frust entwickelt, über das „nicht mitkommen“.

Erwachsene haben weniger Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung, aber auch hier macht eine Therapie wirklich Sinn. Denn auch im fortgeschrittenen Alter kann man lernen, den Redefluss nachhaltig zu verbessern.

Für alle Betroffenen gilt es aber, so früh wie möglich zum Logopäden oder in einer Stottertherapie. Diese kann ambulant oder stationär stattfinden, als auch ein Einzel- oder Gruppenstunden durchgeführt werden.

Wie wird Stottern therapiert?

Zwei Therapiearten haben sich in den letzten Jahren als besonders wirkungsvoll gezeigt.

1) Fluency Shaping, eine Veränderung der Sprechweise

Spezielle Sprechtechniken verhindern das Auftreten von Sprechunflüssigkeiten. Das Stottern soll gar nicht erst auftreten. Zu den Techniken gehören der weiche Stimmeinsatz am Anfang eines Wortes, das Dehnen von Vokalen sowie die kontrollierte Atmung.

2) Stottermodifikation, eine Veränderung des Stotterns

Veränderung der eigenen Reaktionen beim Auftreten von Sprechunflüssigkeiten, damit der Betroffene lernt, in einer akuten Situation ruhig zu bleiben und das auftretende Stottern rechtzeitig abzuwenden oder besser gesagt zu mildern. Diese Therapieform wird auch als Blocklösetechnik bezeichnet, mit der schon ihr Entwickler, Charles Van Riper, Anfang der dreißiger Jahre sehr gute Erfolge verzeichnen konnte.

Für Kinder gibt es als Frühdiagnostik zwei unterschiedliche Ausrichtung einer Therapie:
1) Der indirekte Ansatz, fördert ein angstfreies und ruhiges Sprechen
2) Der direkte Ansatz, zur Kontrolle des Sprechens und Blockaden mit Entspannung lösen

Alternative Methoden können sowohl die eine als auch die andere Therapieform ergänzen oder unterstützen. Dazu gehören:

  • Hypnose
  • Akkupunktur
  • Psychotherapie
  • Entspannungsverfahren
  • technische Hilfsmittel

Selbsthilfegruppen können ebenfalls eine Möglichkeit zur Therapie bei Stottern sein. Dazu gibt es die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V., die zahlreiche Therapeuten und Selbsthilfegruppen bereithält.


Wenn Sie Ihr Stottern — oder das Ihres Kindes — therapieren lassen wollen, zögern Sie nicht Kontakt zu uns aufzunehmen. Die Logopädie Balzer ist an drei Standorten vertreten.